FührungsKRAFT – was wirksame Führung möglich macht

Von Selbstführung, klaren Rahmen und der Kunst, Potenzial zur Wirkung zu bringen

Woran zeigt sich wirksame Führung?

Was ist eigentlich gute Führung?

Führungskräfte sollen empathisch und entscheidungsstark sein, Orientierung geben und beteiligen, strategisch denken, Menschen entwickeln, Konflikte klären, nahbar und zugleich rollenklar sein. Sie sollen zuhören, inspirieren, Verantwortung übertragen – und im richtigen Moment eingreifen oder sich zurückhalten.

Die Begriffe wechseln: New Leadership, Empowerment, Purpose. Und mit ihnen die Vorstellungen davon, wie zeitgemäße Führung aussehen sollte.

Mich interessiert eine Frage, die darunter liegt:

Wie wirksam ist mein Handeln in dem Kontext, in dem ich gerade führe?

Wer sich diese Frage als Führungskraft stellt, richtet den Blick ziemlich unmittelbar auf einen entscheidenden Faktor: die eigene Person.

Denn dasselbe Verhalten kann in unterschiedlichen Situationen etwas anderes bewirken. Ein erfahrenes Team kann mit wenigen Eckpunkten sehr selbstständig arbeiten. Ein neu zusammengesetztes Team braucht vielleicht zunächst mehr Orientierung. In einer akuten Krise kann eine schnelle Entscheidung hilfreich sein. Bei einer komplexen Entwicklungsfrage kann es klüger sein, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen.

Wirksamkeit ist kontextbezogen. Sie zeigt sich darin, ob das eigene Handeln geeignet ist, das zu ermöglichen, was erreicht werden soll.

Damit verschiebt sich die Frage von Wie führt man richtig? zu:

Was braucht diese Situation von mir, damit Orientierung, Verantwortung und gemeinsames Handeln möglich werden?

Hier richtet sich der Blick auf die Bedingungen, unter denen Menschen arbeiten – und auf die Führungskraft selbst. Denn wie Führung wirkt, entsteht im Zusammenspiel von Person, Beziehungen, Team und organisationalem Rahmen.

Wofür sind wir eigentlich da?

Wirksam – wofür?

Organisationen haben einen Auftrag. Sie formulieren eine Vision oder Mission, entwickeln Strategien und verfolgen Ziele. Auf der Ebene eines Teams oder Bereichs kann all das erstaunlich weit entfernt vom Arbeitsalltag bleiben.

Führung hat deshalb für mich eine Übersetzungsaufgabe.

Was bedeutet die Ausrichtung der Organisation für unseren Bereich? Wozu gibt es uns? Für wen schaffen wir einen Mehrwert? Welchen Beitrag leisten wir zum größeren Ganzen? Und wer wollen wir als Team oder Bereich dabei sein?

Menschen möchten verstehen, wofür ihre Arbeit bedeutsam ist und wie sie zu einer größeren Aufgabe beiträgt. Führung kann diesen Zusammenhang sichtbar und erlebbar machen.

Dazu braucht auch eine Führungskraft eine Vorstellung davon, wohin es gehen soll: ein Zielbild, das ausreichend klar ist, um Orientierung zu geben, und offen genug, um den Weg dorthin gemeinsam gestalten zu können.

Richtung entsteht dort, wo Menschen wissen, wofür sie gemeinsam Verantwortung tragen und worauf sie ihre Kräfte ausrichten.

Und Führung richtet den Blick zugleich auf das, was in einem Team bereits vorhanden ist: auf Erfahrungen, Fähigkeiten und unterschiedliche Begabungen – und auf Potenzial, das sich unter geeigneten Bedingungen weiter entfalten kann.

Richtung gibt Orientierung. Damit Menschen auch handlungsfähig werden, braucht es einen tragfähigen Rahmen.

Gute Führung gestaltet Bedingungen

Viele Führungskräfte kommen in ihre Rolle, weil sie fachlich kompetent sind. Sie kennen ihr Arbeitsfeld, erkennen Probleme schnell und könnten manches vermutlich selbst schneller erledigen.

Gerade darin liegt eine beständige Verführung: sich in Details zu bewegen, Lösungen selbst zu entwickeln und Verantwortung dort zu übernehmen, wo eigentlich andere gefragt wären.

Die eigentliche Führungsarbeit findet an einer anderen Stelle statt.

Führung gibt Richtung und gestaltet Bedingungen, unter denen Menschen Verantwortung übernehmen, ihre Fähigkeiten einbringen und gemeinsam wirksam werden können.

Die Frage ist dann: Was braucht mein Team, um seine Aufgabe gut erfüllen zu können?

Für mein Verständnis von Führung ist diese Frage eine Art innerer Kompass. Er richtet die Aufmerksamkeit auf Ressourcen und Informationen, Rollen und Verantwortlichkeiten, Handlungsspielräume, Entscheidungswege und die Strukturen der Zusammenarbeit.

Zur Führungsverantwortung gehört, für Klarheit über die Bedingungen der Zusammenarbeit zu sorgen. Wie diese konkret gestaltet werden, lässt sich häufig am besten mit den Menschen entwickeln, die darin arbeiten.

Wer trägt wofür Verantwortung? Welche Entscheidungen gehören dazu? Wo braucht es Abstimmung? Wo kann eigenständig gehandelt werden?

Was zunächst nach ganz pragmatischen Fragen klingt, kann erhebliche Auswirkungen auf das Beziehungsgefüge haben. Denn wo Zuständigkeiten und Entscheidungsspielräume diffus bleiben, werden sie im Alltag zwischen Personen ausgehandelt. Eine ungeklärte Zuständigkeit kann als Einmischung erlebt werden, ein unklarer Entscheidungsweg als Übergangenwerden, fehlende Information als mangelnde Wertschätzung. Dabei wird Kraft gebunden, die an anderer Stelle gebraucht wird.

Klare Strukturen entlasten die Beziehungsebene.

Ein klarer Rahmen gibt Halt. Menschen wissen, welche Rolle sie haben, wofür sie Verantwortung tragen und innerhalb welcher Grenzen sie gestalten können.

Dazu gehören auch verlässliche Kommunikationsstrukturen. Gerade in unsicheren Zeiten können geregelte Möglichkeiten für Austausch, Rücksprache und gemeinsame Orientierung zu Haltegriffen werden und Sicherheit schaffen.

Klarheit des Rahmens und sichere Beziehungen gehören zusammen.

Menschen brauchen die Erfahrung, dass ihre Perspektive gehört wird, dass sie Fragen stellen, Unsicherheit zeigen, Fehler ansprechen und widersprechen können. Für Führung ist diese Offenheit zugleich eine wichtige Informationsquelle: Gerade in komplexen Situationen wissen unterschiedliche Menschen unterschiedliche Dinge. Wenn mehrere Perspektiven zur Sprache kommen können, wird im Zusammenspiel ein umfassenderes Bild der Situation möglich.

Das ist ein gelebter Ausdruck psychologischer Sicherheit. Für mich gehört dazu auch die Berechenbarkeit des Rahmens: Regeln gelten, Reaktionen sind ausreichend verlässlich und ein kritischer Einwand ist willkommen, weil er zu einem besseren Ergebnis beitragen kann.

Das verlangt eine besondere Beidhändigkeit von Führung:

Zuhören und entscheiden. Verstehen wollen und Position beziehen. Verantwortung übertragen und Grenzen halten.

Diese Beidhändigkeit – also scheinbar gegensätzliche Qualitäten halten zu können – zeigt sich für mich auch darin, Richtung zu geben und zugleich aufmerksam für die Resonanz zu bleiben. Eine Führungskraft trifft Entscheidungen, setzt Impulse und macht Erwartungen deutlich. Zugleich nimmt sie wahr, was dadurch bei anderen und im Team entsteht – und bezieht diese Wirkung wiederum in ihr weiteres Handeln ein.

In diesem Sinne gleicht Führung manchmal dem Führen beim Paartanz: Ein Impuls gibt eine Richtung vor. Wie die gemeinsame Bewegung weitergeht, entsteht im Zusammenspiel. Wer führt, bleibt aufmerksam dafür, wie das Gegenüber den Impuls aufnimmt und welche Bewegung daraus entsteht – und lässt sich davon zum nächsten Impuls inspirieren.

In dieses Zusammenspiel gehört für mich auch, das Potenzial von Menschen und Teams im Blick zu behalten. Eine Führungskraft kann wahrnehmen, welche Stärken jemand mitbringt, wo diese besonders wirksam werden können und welches Potenzial sich vielleicht erst noch zeigen will. Sie kann Entwicklungsfelder ansprechen und Gelegenheiten schaffen, in denen Menschen Fähigkeiten erproben, weiterentwickeln und neue Seiten an sich entdecken können.

Führung gibt damit Richtung, ohne die Bewegung vollständig vorwegzunehmen. Sie schafft einen Rahmen, in dem Menschen ihre Fähigkeiten einbringen und weiterentwickeln können.

Führung beginnt bei der eigenen Person

So wichtig Strukturen, Rollen und Methoden sind: Eine Führungskraft bringt in jede Führungssituation sich selbst mit. Sie selbst ist ihr wichtigstes Führungsinstrument.

Eine Führungskraft hat eine formale Rolle inne. Damit verändert sich, wie andere ihre Worte und Handlungen gewichten. Eine beiläufig geäußerte Idee kann bereits als Auftrag verstanden werden. Eine interessierte Nachfrage kann wie Kritik ankommen. Gereiztheit, Ungeduld oder Unsicherheit bleiben ebenfalls selten ohne Wirkung.

Führung wirkt weit über Worte hinaus.

Wie ich einen Raum betrete, wie präsent ich im Gespräch bin, wie ich zuhöre, meine Stimme einsetze, Pausen aushalte oder unter Anspannung reagiere – all das wird wahrgenommen und beeinflusst die Begegnung. Führung geschieht damit immer auch über die eigene Präsenz.

Hier beginnt Selbstführung: mich selbst wahrnehmen und reflektieren, meine inneren Reaktionen regulieren und mich situationsangemessen steuern zu können. Körperliche, stimmliche und mentale Präsenz gehören für mich wesentlich dazu.

Die Fähigkeit zur Selbstführung gehört deshalb zu den wichtigsten Grundlagen wirksamer Führung.

Gerade unter Druck zeigt sich, wie viel innerer Handlungsspielraum tatsächlich zur Verfügung steht.

Was geschieht gerade in mir? Werde ich ärgerlich, ungeduldig, gekränkt oder unsicher? Welche spontanen Impulse entstehen daraus? Kann ich noch entscheiden, wie ich reagieren möchte – oder drängt meine innere Reaktion mich in unmittelbares Handeln?

Das eigene Erleben kann dabei eine wichtige Informationsquelle sein. Ärger kann auf eine Grenze hinweisen, Unsicherheit auf fehlende Orientierung, Irritation auf einen Widerspruch, der Aufmerksamkeit verdient.

Für Selbstführung wird dann eine Unterscheidung wesentlich:

Kann ich wahrnehmen, was in mir geschieht, und zugleich unterscheiden, was meine Rolle und die Situation jetzt von mir verlangen?

Unter hoher innerer Anspannung verengt sich die eigene Wahrnehmung. Vertraute Reaktionsweisen treten leichter in den Vordergrund, auch wenn die aktuelle Situation vielleicht etwas anderes verlangt. Vielleicht werde ich schneller scharf im Ton, ziehe mich zurück, kontrolliere stärker oder versuche, eine unangenehme Situation möglichst schnell aufzulösen.

Ein ausreichender innerer Spielraum eröffnet Wahlmöglichkeiten.

Eine Führungskraft kann dann einen Moment länger zuhören. Oder schweigen, bevor sie antwortet. Sie kann eine Grenze klar setzen und zugleich in Beziehung bleiben. Sie kann wahrnehmen, dass der Impuls, sofort einzugreifen, mit der eigenen Anspannung zu tun hat – und bewusst entscheiden, wie sie in dieser Situation wirksam handeln möchte.

Für meinen Blick auf Selbstführung sind dabei auch PEP® und die NARM-Prinzipien prägend. Sie richten die Aufmerksamkeit auf Selbstregulation, Schutz und Wahlmöglichkeiten. Vertraute Reaktionsweisen werden verständlicher, wenn wir erkunden, welche Funktion sie haben oder einmal hatten. Dieses Verstehen kann den inneren Spielraum erweitern.

Selbstführung bedeutet für mich deshalb, die eigene innere Dynamik so gut wahrnehmen und regulieren zu können, dass bewusstes Führungshandeln auch unter Druck möglich bleibt.

Zur Selbstführung gehört für mich auch eine Offenheit für die eigene Entwicklung.

Eine Führungskraft bringt ihre Erfahrungen, Fähigkeiten und vertrauten Muster mit in ihre Rolle. Zugleich kann die Führungsrolle Seiten der eigenen Person sichtbar werden lassen, die bisher weniger im Blick waren – Potenziale ebenso wie persönliche Herausforderungen, vertraute Sicherheiten ebenso wie neue Fragen. Wer führt, begegnet deshalb immer wieder auch sich selbst.

Mich interessiert dabei das, was eine Führungskraft ist, das, was sie werden will – und das, was sie sein wird.

Dieser Dreiklang öffnet für mich den Blick auf Potenzial: auf das, was bereits da ist, was nach Entfaltung sucht – und auf das, was sich im Werden zeigt.

Zu meinem mehrdimensionalen Blick auf Führung gehört zugleich, verschiedene Ebenen miteinander in Beziehung zu setzen: die Führungskraft als Person, die Beziehungen zwischen Menschen, die Dynamik und das Potenzial des Teams und den organisationalen Rahmen.

Diese Ebenen wirken aufeinander. Was wie eine persönliche Schwierigkeit erscheint, kann mit einer unklaren Rolle zusammenhängen. Eine angespannte Teamdynamik kann durch widersprüchliche organisationale Anforderungen verstärkt werden. Und eine strukturell anspruchsvolle Situation kann persönliche Stress- und Schutzreaktionen auslösen.

Wirksam führen heißt für mich deshalb auch, unterscheiden zu können: Was geschieht gerade auf welcher Ebene – und wo liegt ein hilfreicher Ansatzpunkt für das weitere Handeln?

Führung spricht mehr als eine Sprache

„Das habe ich doch schon so oft gesagt.“

Diesen Satz höre ich in der Arbeit mit Führungskräften immer wieder. Eine Erwartung wurde ausgesprochen, eine Information weitergegeben, ein Sachverhalt erklärt. Und trotzdem geschieht etwas anderes. Oder nichts.

Vielleicht beginnt wirksame Führung an dieser Stelle mit einem Perspektivwechsel:

Was braucht mein Gegenüber, damit meine Botschaft tatsächlich ankommen kann?

Menschen unterscheiden sich darin, wie sie Informationen aufnehmen und verarbeiten. Manche orientieren sich schnell an Ziel und Ergebnis. Andere möchten Zusammenhänge verstehen und Details kennen. Manche können mit wenigen Eckpunkten unmittelbar loslegen. Andere gewinnen Handlungsfähigkeit durch mehr Eindeutigkeit, Verlässlichkeit oder Zeit zum Verarbeiten.

Führung bedeutet deshalb auch, andere Sprachen sprechen zu lernen.

Für die Wirksamkeit von Kommunikation ist entscheidend, was beim Gegenüber ankommt. Was wird verstanden? Und entsteht daraus die Orientierung, die ich beabsichtigt habe?

Hier berührt Führungskommunikation für mich auch das Thema Neurodiversität.

Was brauchen unterschiedliche Gehirne, damit Orientierung entstehen kann?

Menschen können Informationen, Reize und soziale Situationen unterschiedlich wahrnehmen und verarbeiten. Neurodiversitätssensible Führung beginnt für mich mit Neugier auf unterschiedliche Arten wahrzunehmen, zu denken, zu kommunizieren und zu arbeiten.

Die eigene Art zu kommunizieren wird damit zu einer Möglichkeit unter mehreren.

Und erneut kommt Selbstreflexion ins Spiel: Bin ich bereit, meine Vorstellung davon, was „doch eigentlich klar“ sein sollte, zu überprüfen und meine Gewissheit für einen Moment in der Schwebe zu halten? Vielleicht lässt sich die Situation noch anders verstehen.

Kann ich die Wirkung meiner Kommunikation als Information nutzen und meine Sprache oder mein Vorgehen verändern?

Die entscheidende Frage lautet dann weniger: Habe ich es richtig gemacht?

Sondern:

War es wirksam?

Führung denkt in Schleifen

Eine Richtung ist geklärt. Eine Entscheidung getroffen. Ein Vorgehen vereinbart.

Und dann?

Eine Vereinbarung schafft Verbindlichkeit und gibt eine Richtung für das weitere Handeln vor. Zugleich beruht sie auf einer Annahme darüber, was in einer Situation hilfreich sein könnte. Wie sich das Vereinbarte in der Praxis bewährt und welche Wirkung es entfaltet, zeigt sich im Arbeitsalltag.

Deshalb gehört zu meinem Verständnis von Führung eine einfache mentale Figur: das Führen in Schleifen.

Vereinbaren. Handeln. Beobachten. Reflektieren. Nachsteuern.

Wie ist es gelaufen? Was hat sich bewährt? Wo ist etwas anderes entstanden als erwartet? Was haben wir gelernt? Was verändern wir?

Und dann beginnt die nächste Schleife.

Darin verbinden sich Verbindlichkeit und Beweglichkeit. Eine Führungskraft greift Vereinbarungen wieder auf und signalisiert: Was wir miteinander verabredet haben, hat Bedeutung. Es ist mir wichtig, nachzuhalten, wie sich unsere Vereinbarungen in der Praxis bewähren. Gleichzeitig können Erfahrungen dazu führen, dass eine Vereinbarung angepasst und gemeinsam weiterentwickelt wird.

So verbindet sich Verbindlichkeit mit einer lernenden Haltung.

Auch die Führungskraft selbst bleibt Teil dieser Schleife. Welche Wirkung hatte mein Handeln? Was habe ich über die Situation, mein Team oder mich selbst gelernt? Was möchte ich beibehalten – und was verändern?

Wirksame Führung überprüft ihre Annahmen in der Praxis – und bleibt offen für das, was sich entwickeln kann.

Die KRAFT von Führung

Richtung geben und Potenzial sehen. Einen klaren Handlungsrahmen schaffen und Entwicklung ermöglichen. Verantwortung übertragen und präsent sein. Wahrnehmen, was ist – und zugleich eine Vorstellung davon haben, was werden kann.

Und bei all dem die eigene Person im Blick behalten.

Denn Führungskräfte arbeiten mit Strukturen, Entscheidungen, Kommunikation und Methoden. Zugleich arbeiten sie immer mit sich selbst.

Hier liegt für mich eine besondere Qualität von Führungskräftecoaching: Es schafft einen Reflexionsraum, in dem die eigene Wirkung sichtbar und zum Gegenstand gemeinsamen Nachdenkens werden kann. Situationen lassen sich aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten, innere Reaktionen verstehen, Rollen und organisationale Zusammenhänge klären.

Was im Führungsalltag schnelles Handeln verlangt, bekommt hier Zeit.

Fast wie in einer Zeitlupe lässt sich genauer betrachten, was geschehen ist: Was hat mich bewegt? Was habe ich gesehen und was möglicherweise übersehen? Welche Wirkung hatte mein Handeln? Welche leiseren Signale werden in der Verlangsamung wahrnehmbar? Und welche Möglichkeiten zeigen sich, wenn eine Situation mit etwas Abstand und einem externen Blick betrachtet werden kann?

So entsteht Raum für eine Frage, die im Führungsalltag leicht hinter dem unmittelbar Notwendigen zurücktritt:

Was ist hier noch möglich?

Das betrifft die Situation und das Team. Und es betrifft die Führungskraft selbst.

Vielleicht liegt darin eine besondere KRAFT von Führung: innehalten und sich selbst zum Gegenstand der Reflexion machen zu können.

Stefanie Hirschfeld

Literatur und Hinweise

Breer, Whitney (2020): Führung beginnt bei dir. Eine Weltreise zu Leadership Excellence. Ein Businessroman. Offenbach: GABAL Verlag.

Isaacs, William (2011): Dialog als Kunst, gemeinsam zu denken. Die neue Kommunikationskultur in Organisationen. 2. Auflage. Bergisch Gladbach: Edition Humanistische Psychologie.

Hirschfeld, Stefanie (2020): „Führen ist eine Entscheidung: Agil(er) führen – mit und ohne Positionsmacht“. In: Michael Urselmann (Hrsg.): Handbuch Fundraising. Wiesbaden: Springer Gabler. Zur Veröffentlichung

Klein, Sebastian / Hughes, Ben / Fleischmann, Frederik (2023): Der Loop-Approach. Wie Du Deine Organisation von innen heraus transformierst. 2., vollständig aktualisierte und erweiterte Auflage. Frankfurt am Main: Campus Verlag.

Oestereich, Bernd / Schröder, Claudia (2017): Das kollegial geführte Unternehmen. Ideen und Praktiken für die agile Organisation von morgen. München: Vahlen.

Schein, Edgar H. / Schein, Peter A. (2025): Führen auf Augenhöhe. Die Kraft von Beziehungen, Offenheit und Vertrauen. 2. Auflage. München: Vahlen.

Manchmal beginnt Veränderung mit einem ersten Gespräch.